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Vom westlichsten Punkt zu den ersten Mittelpunkten Deutschland

Vom westlichsten Punkt zu den ersten Mittelpunkten Deutschland
25. Juni 2019 Keine Kommentare

Am 13. Mai besuchte ich den westlichsten Punkt Deutschlands an der holländischen Grenze und die westlichste Gemeinde Isenbruch. Hier beginnt nun meine Wanderung quer und längs durch Deutschland. Nach zwei Etappen durch Holland habe ich auch Aachen, die westlichste Stadt Deutschlands besucht.


Als Basisweg nutze ich den Wanderweg der Deutschen Einheit. Dies ist kein einheitlich gekennzeichneter Weg, sondern setzt sich aus verschiedenen regionalen Wanderwegen und Abschnitte verschiedener Weitwanderwege zusammen. Ich nutze ein GPS-Gerät mit der gesamten Wanderroute. Daher beachte ich nicht die sich immer wieder ändernden Wegezeichen.


Wie schon auf langen Wanderungen und Pilgerreisen zuvor müssen sich meine Füße an das zusätzliche Gewicht, diesmal 17 Kilogramm mit Wasser, gewöhnen. Und das dauert eine Weile. Das wechselhafte Wetter und die Suche nach Unterkünften sind meine beständigen Begleiter. Einige Tage stapfe ich mit Poncho und Gamaschen durch den Regen. Erlebe unpassierbare Stellen, nicht vorhandene Wege und ein Auf und Ab mit ordentlichen Steigungen. Nur mit einem Tagesrucksack recht einfach, doch mit meinem Rucksack komme ich des Öfteren ins Schnaufen.


Verschnauf- und Ruhepausen muss ich immer wieder einlegen. Tagelang durchlaufe ich Wälder und sehe keine Menschen. Eine himmlische Stille außer dem Vogelgezwitscher umgibt mich. Nur manchmal höre ich ein Flugzeug und in der Nähe von Straßen Geräusche der Fahrzeuge. Ich genieße, auch bei Regen, diese Einsamkeit. Wenn es denn Bänke oder Schutzhütten gibt, nutze ich diese für eine Pause. Gefällte Bäume dienen häufig als Bankersatz. Zurückgelehnt ist mein Rucksack die Rückenlehne. Halb liegend im Sonnenschein oder bei gutem Wetter mache ich dann ein Nickerchen. Die Suche nach Unterkünften wird immer schwieriger. Feiertage mit möglichen Brückentagen und Wochenenden machen es mir exterm schwer. Kleine Hotels, Gasthöfe, Pensionen, Fremden- und Monteurzimmern nutze ich. Große Ansprüche habe ich nicht und Bad und WC auf dem Flur ist mir egal. Für Vatertag und die darauf folgenden Tage habe ich vorher stundenlang Unterkünfte gesucht. Und genau in dieser Zeit war es im Wald, zumindest in Ortsnähe, mit der Ruhe vorbei. Tageswanderer, Spaziergänger bevölkerten die Wälder.

Ein in der Nähe von mir einschlagender Blitz lässt mich in rennen kommen. Im nahegelegenen Ort klingele ich an einer Haustür und bitte den Hausbesitzer um einen Anruf beim örtlichen Taxidienst. Als Antwort kommt: „Nein“. Ich bin total geschockt, doch der Zusatz kommt direkt hinterher: „Ich fahre sie“. Durch den Regen stapfend erreiche ich eine Tagungs- und Bildungsstätte der katholischen Kirche. Vor der Eingangstür eine Bank und ich ruhe mich hier erschöpft aus. Doch kaum sitze ich, kommt eine Frau heraus und bittet mich hinein. Der tropfende Poncho stört sie nicht. Werde im Gebäude an eine Schwester weitergereicht und die führt mich in den Speisesaal. Nimmt mir dort den Poncho zum Trocknen ab. Wenig später steht eine dampfende Erbsensuppe vor mir. Gut erholt und gesättigt laufe ich danach weiter.

Siebengebirge, Sauerland, Hochsauerland mit dem Rothaargebirge und dann ins Hessische. Einen besonderen Pausentag gönne ich mir in Frankenberg (Eder). Hier besuche ich den Ort Röddenau. Von hier kommen meine nachweislichen Vorfahren ab 1615. Der Ortsvorsteher kann mir sogar meine Familienkenntnisse um eine weitere Information erweitern und mir ein ehemaliges „Bach“haus zeigen. Eine weitere Überraschung erlebe ich, als ich mit Bekannten aus der Zeit um 1985 bis 1990 telefoniere. Wo sie wohnen, weiß ich nicht. Nur irgendwo hier in der Gegend und ich möchte mich mit ihnen gerne treffen. Mein Erstaunen ist groß, als ich feststelle, meine Wanderroute führt mich direkt an ihrem Haus vorbei! Ich übernachte bei ihnen und wir fahren zu meinem ersten Mittelpunkt Deutschlands bei Besse, einem Ortsteil von Edermünde. Dieser Mittelpunkt passt genau zu meinen Start und Zielpunkten. Verbindet man West mit Ost und Süd mit Nord liegt der Schnittpunkt bei Besse.


Die traumhaften Städte mit mittelalterlichen Stadtkernen in Fritzlar, Melsungen und Spangenberg durchwandere ich. In Spangenberg liegt der nächste deutsche Mittelpunkt. Hier liegt der Bevölkerungsmittelpunkt. Die Landschaft Nordhessens, die ich gerade durchwandert habe ist eine hügelige und bergige Landschaft mit weiten grünen Wiesen, Weiden und Getreidefelder in den verschiedensten Grünnuancen. Inzwischen breitet sich auch einen Hauch von Gelb der reifenden Körner in dieser Landschaft aus. Nach der Gemeinde Ringgau im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis überquerte ich erstmals den Kolonnenweg der deutsch- deutschen Grenze. Nun habe ich Thüringen und in Kürze Eisenach erreicht. Auf der Wartburg und im Weiler Landstreit werde ich dann den nächsten Mittelpunkt Deutschlands besuchen.

Genaueres zu den äußersten Landstellen, meine Start- und Zielpunkte (=Extrempunkte), Mittelpunkte Deutschlands und der Europäischen Union (EU) und mein Online-Tagebuch findet man auf meiner Webseite unter: https://www.deutschland-zu-fuss.com .

Veröffentlicht in: Deutschland quer und längs